Konferenz in Zittau rückt Wandel der Lausitz durch Wissenschaft in den Fokus

Männlich gelesene Person steht an einem Rednerpult und trägt ein Grußwort vor.

Die Lausitz ist wie kaum eine andere Region in Deutschland Wandel gewohnt. Städte und Regionen von Cottbus über Hoyerswerda bis Zittau erlebten Phasen des Aufschwungs durch Industrie und Bergbau – gefolgt von einem tiefgreifenden Bruch in allen Bereichen und einem lang andauernden Niedergang nach der Wiedervereinigung: Jobs gingen verloren, Familien sind seitdem zerrissen, die Region alterte überdurchschnittlich.

Aktuell zeichnet sich eine mögliche Trendwende ab: Mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung entsteht ein neues Innovationsumfeld in der Lausitz. Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft gestalten gemeinsam neue Perspektiven für die Region aus. Innerhalb dieses regionalen Netzwerks gibt die Wissenschaft Impulse und stellt Wissen und Ideen bereit. Um nächste Schritte auf diesem Weg gemeinsam abzustimmen, fand Anfang November eine Konferenz in Zittau statt: Transformationswissen als Problemfeld gesellschaftlichen Wandels stand dabei im Fokus.

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Weiblich gelesene Person steht in einem Saal und redet.

Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zusammen, um den Wandel in der Lausitz aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Die zentralen Fragestellungen:

  • Welche Beiträge kann Wissenschaft für die Lausitzer Kommunen im Strukturwandel leisten?
  • Welche Perspektiven ergeben sich für Innovationen der regionalen Wirtschaft?
  • Welchen Mehrwert bringen Großprojekte wie das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA)?

Die Konferenz analysierte den Wandel interdisziplinär, blickte auf technische Innovationen, nahm gesellschaftliche Entwicklungen unter die Lupe und widmete sich geisteswissenschaftlichen Fragestellungen. Im Kern geht es immer um die Frage, wie Wissen direkt in die Praxis eingebracht werden kann und umgekehrt, wie Impulse der Praxis durch Wissenschaft aufgegriffen werden sollten.

Diesen Ansatz lobt Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker in seinem Grußwort: „Was mir in den bisherigen Diskussionen oft gefehlt hat, wird heute endlich aufgegriffen – nämlich die geisteswissenschaftliche Perspektive auf die Transformation in der Lausitz. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den wir gemeinsam verständlich machen und in die Öffentlichkeit tragen müssen.“

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Männlich gelesene Person steht an einem Rednerpult und trägt ein Grußwort vor.

Diese kommunikative Aufgabe hat auch das Deutsche Zentrum für Astrophysik erkannt. Günther Hasinger ist dort wissenschaftlicher Geschäftsführer und beschreibt die Rolle der Wissenschaft bei Veränderungsprozessen so: 

"Transformation betrifft uns alle – in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, dass diese Konferenz genau an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis stattfindet. Wissen ist die Grundlage und der Motor einer zukunftsgerichteten Regionalentwicklung. Wissenschaft darf Veränderung nicht nur beobachten, sondern muss sie aktiv begleiten und mitgestalten."

Besonders hebt Günther Hasinger die Abteilung für Transformationsforschung am DZA unter der Leitung von Andreas Otto hervor. Diese Abteilung analysiert den Aufbau und das Wirken des DZA im regionalen Kontext, begleitet Akteure und gestaltet mit. Ähnlich integrierte Forschung gibt es an anderen Großforschungszentren in der Form bisher nicht.

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Eine Gruppe von sieben Personen blickt lächelnd in die Kamera.

Andreas Otto gestaltet gemeinsam mit Lisa Bail von Hi!Lusatia seit längerem diesen Austausch. Clara Hartung koordiniert den Auf- und Ausbau des Campus Lausitz an der Technischen Universität Dresden. Gemeinsam organisierten sie die Diskussionsrunde Wissen(schaft)sregion Lausitz: Wissenschaft zwischen Regionalentwicklung und internationalem Wettbewerb. Diese Runde beleuchtete die Rolle der Wissenschaft im Wandel der Lausitz. Im Mittelpunkt standen Fragen, wie wissenschaftliche Einrichtungen den Wandel gestalten können: mit fundierten Analysen oder indem neue Einrichtungen wie das DZA gegründet werden. Sie stellte die vielschichtigen Perspektiven aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Öffentlichkeit vor und diskutierte Wege, Forschungsergebnisse noch konsequenter in Transformationsprozesse einzubringen.

„Das DZA bringt interdisziplinäre Expertise in die Lausitz ein und entwickelt gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Wissenschaft, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Lösungen für den Wandel. Unser dezentraler Ansatz bindet die gesamte Region ein und stützt sich auf ein breites Netzwerk vor Ort – von Wirtschaftstransfer über Nachwuchsförderung bis zur Gewinnung von Fachkräften“, ordnet Andreas Otto ein. Die Transformationsforschung des DZA untersucht, wie die Wissenschaftseinrichtung mit den Lebenswelten der Menschen in der Lausitz in Verbindung steht und wie DZA und Region wechselseitig von den aktuellen Entwicklungen profitieren können.

 

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Gruppe von Menschen sitzt an einem Tisch.

Wissenschaft beflügelt Wirtschaft – regional und über Regionengrenzen hinaus. Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums hat sich Sachsen zu einem starken Wissenschaftsstandort mit hoher Innovationskraft entwickelt. Entscheidend dafür sei auch die Offenheit der Wirtschaftsunternehmen gewesen, sich auf neue Technologien einzulassen und den Austausch mit der Wissenschaft zu suchen.

Die Konferenz wurde gemeinsam von der Technischen Universität Dresden, der Hochschule Zittau/Görlitz, dem DZA und weiteren Institutionen organisiert. Vorträge, Diskussionsrunden und Exkursionen beleuchteten Methoden des Transformationswissens, Rückkopplungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sowie der Lausitz als Modellregion für Wandel.

Besonderer Dank gilt allen Partnerinnen und Partnern, die den interdisziplinären Austausch ermöglichen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis fördern. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll: Wandel gelingt nur, wenn Wissen, Dialog und gemeinsames Handeln zusammenkommen – eine starke Botschaft für die Lausitz und darüber hinaus.

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