Zwischen Granit und Gravitationswellen: DZA im Dialog mit Menschen im Landkreis Bautzen
Wir haben Mitte Mai mit Bürgerinnen und Bürger in Crosta und Königswartha über unsere Bohrstellen in ihren Gemeinden gesprochen.
Der Bohrer in Crosta arbeitet seit Februar 2026. Während solcher Aktivitäten hören wir den Menschen zu und stoßen auf Fragen, Vorbehalte, Zweifel, Ideen – all das begegnet uns in diesen Gesprächen, weshalb wir gern den Dialog suchen und über unsere Vorhaben in der Region informieren. Günther Hasinger als wissenschaftlicher Geschäftsführer des DZA und Geophysiker Mike Lindner gaben tiefe Einblicke in ihre Wissenschaft. Im Feld, vor Ort, mit einem Getränk in der Hand und einem kleinen Snack.
„Mir gefällt es immer wieder sehr, mit den Menschen über Wissenschaft zu reden. Der Granitschatz der Lausitz kann uns Erkenntnisse über Schwarze Löcher in den Tiefen des Universums geben – also nah. Am Urknall. Diese Phänomene geben uns noch Rätsel auf. Wir konnten mit unseren Bohrungen aufschlussreiche Erkenntnisse aus dem Boden ziehen und werten die Proben und Messdaten nun weiter aus, um den genauen Standort für das Untergrundlabor zu finden“
Prof. Dr. Günther Hasinger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des DZA
Unsere aktuellen Bohrungen erstrecken sich auf den Gebieten der Gemeinden Königswartha, Lohsa und Großdubrau im Landkreis Bautzen und sie dienen unseren Erkundungen für das Untergrundlabor "Low Seismic Lab“ (LSL). Aus den Bohrkernen ziehen die Forschenden im DZA gemeinsam mit Partnerinstitutionen Rückschlüsse über die Beschaffenheit des Lausitzer Granitmassivs. Bohrkerne werden entnommen, das Bohrloch selbst danach auf etwa 25 Zentimeter Durchmesser erweitert, verrohrt, später werden die Bohrlöcher mit sensiblen Seismometern an der Oberfläche und in der Tiefe von etwa 250 Metern ausgestattet. Zusätzliche Messungen und Tests an der Oberfläche rund um die Bohrlöcher können folgen und sollen einen detaillierten Einblick in den Untergrund ermöglichen. So untersuchen wir diesen nahezu monolithischen Block auf einer Fläche zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen und wollen den bestmöglich geeigneten Standort für unser Untergrundlabor finden. Derzeit wird dazu eine Machbarkeitsstudie durchgeführt.
Das LSL weckt immer viel Neugier. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Science Communication Lab eine VR-Umgebung geschaffen – basierend auf den Daten der Machbarkeitsstudie. Unser Ziel damit ist; Menschen schon jetzt zu zeigen was wir planen und außerdem Forschenden bei der Planung ihrer Labore zu helfen. In Crosta und Königswartha wollten Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen mehr über den Lausitzer Untergrund und die Forschung in der Tiefe erfahren. Sie tauchten ein in die Gravitationswellenastronomie, die Geologie, erfuhren mehr über die Technologieentwicklung, Sensorik oder hochpräzise Messverfahren.
Ein besonderer Moment in Crosta: Während im Hintergrund der Bohrer in rund 90 Metern Tiefe im Lausitzer Granit arbeitet, konnten Bürgerinnen und Bürger direkt an der Bohrstelle Fragen stellen und mit den Forschenden ins Gespräch kommen. Wir hatten Bohrkerne und Bohrkronen zum Anfassen an der Bohrstelle. Der Landrat des Landkreises Bautzen, Udo Witschas, und seine Beigeordnete Romy Reinisch und viele DZAler kamen gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch.
Udo Witschas betonte die Chancen für die nächsten Generationen und vor allem junge Menschen in der Lausitz.
„Ansiedlungen wie das DZA und auch die Aktivitäten der TU Dresden rund um das Einsteinteleskop sind neben dem Bauforschungszentrum oder dem Smart Mobility Lab in Schwarzkollm Wegbereiter der Zukunft unseres Landkreises – für die Menschen und die Wirtschaft."
Einen unerwarteten Einblick in die Bewegung der Erde unter ihnen konnten die Menschen in Königswartha bekommen: „Unsere Livedaten des Bohrlochs bei Commerau messen gerade in 250 Metern Tiefe ein leichtes Erdbeben, vermutlich bei Lubin in Niederschlesien“, sagte DZA-Geophysiker Mike Lindner in der Königswarthaer Oberschule und zeigte den Menschen den Ausschlag in den Messdaten.
Ausdrücklich DANKE sagen wir an dieser Stelle an die Bürgermeister von Königswartha und Großdubrau, Swen Nowotny und Hardy Glausch. Danke auch an den Feuerwehrsportverein Crosta um Marcel Bellmann und die Bäckerei Bresan in Königwartha sowie die Schulleitung der Paulus-Oberschule in Königswartha. Sie alle haben die Informationsveranstaltungen unterstützt und den Raum für den Dialog sehr angenehm gestaltet.